Windows 8

21
Jul

Windows ist ein widersprüchliches Produkt wie schon allein der Name sagt, da dieser sich auf den Umstand bezieht, dass man mehrere Programme in getrennten Fenstern nebeneinander betreiben kann. Das war eine wichtige Neuerung bei der Geburt des Betriebssystems 1983 und der Anlass für eine rechtliche Auseinandersetzung mit Apple. Die Anzeige bestand in der Welt von DOS und CP/M nur aus Text, die Interaktion hatte nur mit dem Programm zu tun, das im Vordergrund lief.

Die Fensterära neigt sich jetzt fast dreissig Jahre später dem Ende zu. Zwar gibt es noch die klassischen Fensterprogramme, doch müssen sie in die Desktop Umgebung zurücktreten.

Windows 8 bringt eine neue Benutzeroberfläche, die mit sogenannten Anwendungen, kurz auch Apps genannt (Kurzform für Application) bestückt ist. Ein Programm läuft bei der modernen Benutzerschnittstelle im Vollbild. Auf grossen Displays ist es möglich, zwei Apps mit vertikalem Split-Bildschirm nebeneinander laufen zu lassen.

Apps sind einfach gestrickt

Um für die Zukunft gerüstet zu sein nimmt Microsoft einige Änderungen vor, um es auch für mobile Geräte, Tablets und Smartphones nutzbar zu machen. Statt eines Startmenüs gibt es einen Startbildschirm und statt Icons sogenannte Programmkacheln, auch tiles (Fliesen) genannt. Diese Fliesen stellen Informationen bereit, wie beispielsweise Termine oder Nachrichten. Auf dem Startbildschirm sind auch Börsenkurse oder News ersichtlich. Die Apps braucht man um sich einfach zwischendurch zu informieren.

Bereits 20 Applikationen werden schon vorinstalliert, die einfach gestrickt sind und unabhängig vom Betriebssystem aktualisiert und verbessert werden. Apps, die von Drittherstellern stammen, werden über den neuen Store bezogen. Von Apple werden die Apps analog zum Appstore genau überprüft und von Microsoft genehmigt.

Touch First

Das neue Betriebssystem bedient sich der Funktion “Touch first“, wobei man Maus und Tastatur weiterhin nutzen darf. Bei der Steuerung führt dies zu markanten Veränderungen – die Charms-Leiste ist ein neues Instrument, mit dem man sich erst einmal anfreunden muss. Die Charms-Leiste öffnet den Weg zu den Programmeinstellungen und man verwendet sie für Suchanfragen, um Informationen zwischen Apps auszutauschen oder auch Dokumente auszudrucken. In allen Programmen ist diese Leiste verfügbar, man kann sie aber normalerweise gar nicht sehen. Um sie zu verwenden, muss man aber wissen, wie sie einzublenden ist. Man führt mit dem Finger oder Maus eine Geste aus oder betätigt die Windows- und die c-Taste.

Benutzerkonto zum mitnehmen

Mit einer Windows-Live-ID können Benutzerkonten bei Windows 8 verbunden werden. Windows Einstellungen werden durch das Internet abgeglichen, wenn man sich für diese Onlineanbindung entscheidet. Wenn man mehrere Computer verwendet, werden alle Maschinen uniform eingerichtet und konfiguriert.

Man kann ebenso den Computer zurücksetzen lassen – so sollte die Neuinstallation bei einigen Problemen hinfällig werden. Über die Windows to Go- Funktion kann man sein Benutzerkonto auf einem USB-Stick mitnehmen.

Windows 8 – Konzipiert für die mobile Welt

Windows 8 ist auch unter der Oberfläche für die mobile Welt konzipiert und läuft nicht mehr nur auf Intel-Prozessoren, sondern unterstützt auch die ARM-Architektur. Es handelt sich hierbei um ein Prozessordesign, dass sich wegen der geringen Energieaufnahme auch für Smartphones und Tablets eignet. Windows RT nennt sich auch die Variante von Windows 8, die für Tablets und leichte Laptops vorgesehen ist. Diese kann nur die neuen Vollbild-Apps ausführen, die klassischen Fensteranwendungen funktionieren nicht auf RT- mit Ausnahme von Internet Explorer und Office 2013. Man braucht ein Gerät mit Intel-CP und dem normalen Windows 8 um im Desktop herkömmliche Programme nutzen zu können.

Seltsames Produkt

Microsofts Betriebssystem für Telefone, Windows Phone 8, basieren schließlich auch auf dem neuen Systemkern. Dort gibt es die Kacheln ebenfalls, doch die Apps auf dem Windows 8 laufen beim Telefonsystem nicht. Apps für beide Plattformen zu entwickeln kann ja eigentlich nicht so schwer sein, möchte man annehmen.

Microsoft hat sich bei Windows 8 einfach zu viel vorgenommen: Es sollte ein System für alle Gerätekategorien werden, welches das Benutzererlebnis für klassischen PC, Tablets und Mobiltelefone vereint. Es ist ein seltsames Zwitterprodukt entstanden, weil der Softwarekonzern alte Zöpfe nicht abschneiden kann, angesichts der milliardenfachen Windows-Nutzung. Wer vor allem viel mit Fenster-Programmen arbeitet, wird zwischen dem mordernen Interface und dem alten Desktop hin und her geworfen. Microsoft gestattet es noch nicht einmal, dass Windows 8 mit dem Desktop hochfährt. Fortschrittsliebende Nutzer werden sich daran gewöhnen, zurückhaltende User haben das Gefühl, als würde ihnen etwas aufgezwängt.

NEUE INFO: Windows 8 wurde aufgefrischt

Windows-Chefin Julie Larson-Green zeigte auf der Entwicklerkonferenz Build neue Funktionen, Programme und Designelemente. Es handelt sich bei der Version 8.1 um ein veredeltes Windows 8. Die Chefin zeigte, wie man trotz Sperrbildschirm Skype-Anrufe annehmen kann, ohne sich dafür in Windows anmelden zu müssen. Das eingebaute E-Mail-Programm erhält neue Sortierfunktionen für Soziale Netzwerke oder Newsletter. Das Auffinden von Apps soll eine Übersichtsseite mit kleinen Symbolen erleichtern. Die Suchmaschine Bing wird tiefer in das System integriert.

Die auffälligste Neuerung ist aber die Rückkehr des Start-Buttons und der Nutzer kann beim Hochfahren direkt auf dem klassischen Desktop landen und nicht auf der Kachel-Oberfläche. Nutzer können sich die Vorabversion des neuen Windows 8.1 herunterladen, die entgültige Version erscheint angeblich im August. Steve Ballmer erklärte, dass in schnellerer Folge neue Produkte auf dem Markt kommen sollen – das soll zur Norm werden.